Warum “Unser Star für Oslo” floppt

AlphaOrange, 24. Februar 2010

Es läuft nicht mehr so rund für Unser Star für Oslo, den von Stefan Raab initiierten neuen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest, der den deutschen Teilnehmer ermitteln soll. Nach ordentlichem Start ging es kontinuierlich bergab, zuletzt lief die vierte Ausgabe erstmals schlechter als Sendungen auf ProSieben es im Durchschnitt tun.

Ich schreib bereits vor drei Wochen, warum mir die Sendung nicht gefällt bzw. warum sie mir als Vorentscheid für den Song Contest nicht gefällt. Die Gründe für das mittlerweile magere Interesse liegen aber woanders.

Man mag darüber denken, was man will, aber hochgepushtes Drama wie man es bei Deutschland sucht den Superstar findet, zieht natürlich um Längen besser als ein in allem respekt vor den Teilnehmern ernstgemeintes Gesangscasting. Das ist keine neue Erkenntnis. Das war schon vorher klar und ist der Grund, warum Unser Star für Oslo vom Start weg kein außergewöhnlicher Zuschauermagnet war. Mittlerweile hat die Sendung etwa ein Drittel seiner Zuschauer verloren, die anfangs noch dabei waren, die gewillt waren, auf Drama, Spektakel und Tränen zu verzichten und sich für das Wesentliche interessieren: die Gesangsdarbietungen. Dafür gibt es nur einen Grund: Sie haben sich gelangweilt.

Das Publikum langweilt sich dabei, wenn unsere potentiellen künftigen ESC-Teilnehmer auf der Bühne stehen und singen. Kandidaten, die ganz Europa auf Anhieb begeistern sollen, vor allem aber auch die Menschen im eigenen Land. Muss man da nicht leise anfragen, ob irgendwas schief gelaufen ist?

Unser Star für Oslo ist zum Inbegriff des Unspektakulären, ich möchte glatt sagen Antispektakulären geworden. Die Jury ist brav, hat Respekt vor ihren Schützlingen, teilt höchstens untereinander aus, aber auch das eher selten. Die Kandidaten sind nach den ersten zwei Shows alle bekannt, bieten wenig neues. Es sind tolle Sängerinnen und Sänger, aber sie fesseln niemanden vor den Bildschirm, denn Showtalente sind sie nicht. Es gibt keine Show, niemand tanzt (oder zumindest nur soweit die natürliche Begabung reicht), es sind Soloauftritte, die Band dient auch musikalisch bloß als Hintergrund und Leinwand für den Gesang. Lichteffekte sind auf das absolute Minimum reduziert. Wieso eigentlich nicht? Die spartanische Kammerspiel-Atmosphäre steht im kompletten Gegensatz zu dem, was uns und die Kandidaten beim Song Contest erwartet.

Das ist der Grund, weshalb immer mehr Menschen abschalten: Sie werden nicht unterhalten. Und das wäre möglich gewesen ohne den lobenswerten Charakter der Sendung zu verraten.

Interessant wird sein, was passiert, wenn der Vorentscheid am 5. März erstmals ins Erste Programm wechselt. Dass ausgerechnet im Ersten neue Fans aus der jungen Zielgruppe gewonnen werden, erscheint äußerst unwahrscheinlich. Und die jüngste Oslo-Ausgabe lag immerhin bereits unter dem Ergebnis des letzten Vorentscheids 2008. Wenn das nach einem spektakulären und in den Medien gehypten Deal mit Zuschauermagnet Raab sogar noch unterboten würde, wäre das ein deutliches Zeichen: Kunst ist lobenswert, aber Unterhaltung ist die Basis des Erfolgs. Das übrigens gilt auch für den Song Contest in Oslo.

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