Perfekte Herausforderung für Ulla Kock am Brink

AlphaOrange, 9. März 2010

Na, wer hätte damit noch gerechnet? Ulla Kock am Brink, bis 1998 Moderatorin der legendären 100.000 Mark Show und zuletzt im Jahr 2000 mit der Spielshow Cash im Ersten mit einer großen Sendung betraut, kehrt ins Fernsehen zurück. Mit einer Gameshow. Auf Sat.1. Am Freitagabend.

Ja, so nahe liegen Freud und Leid nebeneinander. Auf der einen Seite ist es schön, eine neue Spielshow im Programm zu haben, auf der anderen lässt sich bereits absehen, dass das Vergnügen von kurzer Dauer sein dürfte.

Und darum geht es bei Perfect Ten oder Die perfekte Minute, wie Sat.1 die Adaption des skandinavischen Originals wohl nennen wird (und mir gefällt weder der eine noch der andere Titel): die Kandidaten müssen sich in der Sendung in zehn kleinen Geschicklichkeitsspielchen beweisen, die aus einem Repertoire von 30 Spielen ausgesucht werden, die zwei Wochen lang geübt werden konnten. Das klingt an sich etwas profan, aber auf den zweiten Blick gar nicht schlecht. Man denke nur mal an Schlag den Raab, das mit simpelsten Spielen mit “Klackern” oder Münzen in ein Glas zu schnippen ungeheure Spannungsmomente erzeugt. Daran, dass es sich um einfache Spiele dieser Kategorie handeln soll, wird es also nicht scheitern. Und auch Die Stunde der Wahrheit, die Sat.1 vor einigen Jahren im Programm hatte, in der die Kandidaten jeweils eine vorab geübte Aufgabe zu bewältigen hatten und die damit konzeptionell sehr ähnlich war, konnte durchaus überzeugen (wenn auch nicht quotenmäßig, sonst wäre es ja nicht abgesetzt worden). Ob die Vorschusslorbeeren, die dem Format derzeit erteilt werden, gerechtfertigt sind, wird sich aber erst noch zeigen müssen, denn im mitteleuropäischen und amerikanischen Raum ist es noch gänzlich ungetestet.

Einen Gefallen hat sich Sat.1 sicherlich auch damit getan, statt wie ursprünglich geplant Oliver Pocher nun Ulla Kock am Brink moderieren zu lassen. Spielshows mit echten Kandidaten sind nichts für Pocher, denn bei so etwas muss der Moderator sich auf die Seite der Kandidaten stellen und sich außerdem dezenter präsentieren, um den fernsehunerfahrenen Menschen nicht die Schau zu stehlen. Beides nicht Pochers Spezialitäten. Kock am Brink bringt dagegen die Erfahrung und die nötige sympathische Note mit und dürfte sich eigentlich als perfekte Besetzung entpuppen. Update: Dass Pocher jemals geplant war, hab ich mir möglicherweise auch bloß eingebildet …

All der Vorfreude zum Trotz: Das wird nix. Am Freitagabend auf Sat.1? Mit Wer wird Millionär? im Gegenprogramm? Ja, nennt mich typisch deutsch schwarzmalerisch, vorverurteilend und es kontraproduktiv, die Sendung tot zu reden bevor sie überhaupt angelaufen ist, aber die Vergangenheit spricht eindeutigen Text. Showformate am Sat.1-Freitag sind zum Scheitern verurteilt. Sei es die einst so starke Schillerstraße, Tanzshows mit Kai Pflaume und was da in den vergangenen Jahren noch so alles so schlecht lief, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern mag: Das haut einfach nicht hin. Positive Überraschungen nehme ich gerne in Kauf, aber das Festhalten seitens Sat.1 an Showformaten auf diesem Sendeplatz hat etwas von Verzweiflung und Wahnsinn.

Viel Glück, Ulla! Du wirst es vermutlich brauchen.

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