
Auch wenn die Begriffe Sat.1, Spielshow und Britt Hagedorn wohl bei so manchem die Alarmglocken schrillen lassen: Mit Mein Mann kann startete gestern eines der zumindest auf dem Papier wohl interessantesten Sommerformate. So besaß Sat.1 endlich mal wieder den Mut, eine eigene Show von Grund auf selbst zu konzipieren und versuchte an die glorreichen Traditionen, die in der Vergangenheit die Schillerstraße oder Genial Daneben hervorgebracht hatten, anzuknüpfen.
Das Konzept: Vier Frauen sitzen an einem Pokertisch mit Britt als Dealerin. Ihre Einsätze entsprechen dem Vertrauen, dass sie ihren Männern in bestimmten Aufgaben entgegenbringen. Schafft der eigene Mann es wohl, fünf Chili-Schoten in 45 Sekunden zu essen? Oder vielleicht sogar sieben. Der Mann, dessen Frau ihrem am meisten zugetraut hat, muss die Aufgabe schließlich auch meistern, damit alle gesetzten Chips gewonnen werden – andernfalls landen diese in einem Jackpot für die nächste Runde. Zwischendurch muss sich zweimal das Paar mit dem jeweils niedrigsten Chipstapel verabschieden, bevor es im Finale zur entscheidenden Aufgabe kommt. Wer am höchsten pokert, muss die Aufgabe auch bestehen (lassen), sonst gewinnt das andere Paar alles.
Ich kann Sat.1 eigentlich nur noch einmal loben, den Mut aufgebracht zu haben, etwas neues zu probieren und dabei auch wirklich auf ein komplexes Konzept zu setzen und nicht wie derzeit bei ProSieben simpelste Genrevariationen als Innovation zu verkaufen. Mein Mann kann hat ein wirklich hervorragendes Potential – aber daran muss noch ordentlich gefeilt werden.
Zunächst einmal stimmt die Zeitaufteilung der Sendung einfach nicht. Einen großen Teil der Zeit nimmt die Pokerrunde an sich ein, die zuweilen ziemlich zäh geführt wird. Beginnend mit zwei Bildkarten, die Hinweise auf die kommende Aufgabe geben, die daraufhin aber direkt verraten wird, was die Karten völlig überflüssig macht, über den Einsatz von “Blinds”, die sich jede Runde erhöhen, bis zur Geben der Einsätze, deren Erhöhungen durchaus dreifach durch die Runde rotieren können. Natürlich immer mit ordentlichen Nachdenkphasen. Dazu kommt noch die Vorstellung der Aufgaben durch den aus Galileo bekannten Harro Füllgrabe.
Die Filme an sich sind ganz ansehnlich. Der erste, in dem Harro sich gleich mal daran macht, zu erkunden, ob es denn eine Maßeinheit für Schärfe gibt, ließ mich zwar befürchten, dass man einfach Galileo-Beiträge kopiert oder zumindest nachgeahmt hat, aber das legte sich schnell. Jedoch stehen die Filme dem Tempo der Show einfach im Weg.
Die Aufgaben an sich waren eine nette bunte Mischung. Von Chilischoten essen bis zu Zöpfe flechten (die Aufgabe wurde trotz sehr guten Willens bei der Bewertung der Zopfqualitäten verloren), vom Fensterscheiben zerschießen bis zum Armdrücken. Ein Spiel bestand darin, Figuren der Sesamstraße zu nennen. Das war zwar nicht besonders spektakulär, solche kleinen Spiele sollte man aber vermehrt einsetzen, zumal die langwierige Vorstellung der Aufgabe entfiel.
Was dringend überarbeitet werden sollte ist das Pokersystem. Das ist von der grundsätzlichen Idee zwar interessant, funktioniert in der gewählten Form aber nicht. Da das Geld beim Verlieren einer Aufgabe in den Jackpot und nicht etwa zu den Konkurrenten geht, lohnt es sich zumindest für die Führenden meist sogar eine eigene Niederlage in Kauf zu nehmen, weil sie das Chipgefüge nicht wesentlich verändert. In einer Entscheidungsrunde kann der Zweitletzte seine Position durch konsequentes Überbieten des Letzten (vorausgesetzt, niemand anders bietet mit) unabhängig vom Spielausgang sichern. Man verliert ja nur einen Chip mehr als die Konkurrenz und hält so seinen Vorsprung.
Was ebenfalls fehlt, um als Pokervariante interessant zu werden: Bluffen. Wer hier blufft, hat eigentlich schon verloren. Denn selbst wenn alle anderen aussteigen muss die Aufgabe ja noch selbst geschafft werden, ansonsten hat man nur erreicht, den maßgeblich größten Anteil des Jackpots selber eingezahlt zu haben.
Überhaupt ist das Spiel mit nur sechs Runden zu kurz, um eine interessante Dynamik zu entwickeln. Wenn nach vier Runden (oder nach drei? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher) das erste Team gehen muss, haben im Normalfall noch nicht einmal alle Männer überhaupt ein Spiel absolviert. Auch die Höhe der Einsätze spielt eher dahingehend eine Rolle, dass derjenige gehen muss, der zu hohe Einsätze gespielt hat, da es wahrscheinlich ist, dass mindestens zwei Teams noch gar nicht gewinnen konnten. Mit frühzeitigem Aussteigen sichert man sich das Weiterkommen (okay, das ist an Poker-Turniertischen zu Beginn auch so).
Die Anzahl der Spiele müsste mindestens verdoppelt werden, um eine wirklich interessante Dynamik ins Spiel zu bringen. Die Zeit dafür kann man aus einer gestrafften Bieterrunde beziehen, aus der Minimierung der Einspieler (stattdessen lieber kurze, aber exakte Beschreibungen der Spiele wie bei Die perfekte Minute, denn wie exakt die Rahmenbedingungen der Spiele aussehen, war hier hin und wieder doch etwas unklar, was beim Einschätzen natürlich gar nicht gut ist) und dem Einstreuen kurzer Spiele. Auch an den Pokerregeln müsste gefeilt werden. Sie gegen ein blindes Bieten zu ersetzten, indem die Frauen einfach ihre Gebote verdeckt aufschreiben und das höchste gewinnt, würde zwar funktionieren, aber der Charme des Pokerelements ginge verloren. Es müsste also eine Zwischenlösung gefunden werden.
Ein paar Worte zur Moderatorin und zum Studio: Britt ist sicherlich nicht die geborene Moderatorin für eine große Abendspielshow. Dazu fehlt ihr der unterschwellige Kontakt zum Publikum. Im Großen und Ganzen hat sie ihre Sache aber gut gemacht.
Das Studio der Show war nicht besonders hübsch, in seiner Aufteilung aber ziemlich genial. Die Männer verbrachten die meiste Zeit in Glaskästen, sodass sie keine Kommentare zum Geschehen geben konnte (aber sehr wohl alles mitbekamen). Diese Glaskästen wiederum waren so im Hintergrund positioniert, dass die Kamera Frau und Mann desselben Paares trotz vielen Metern Abstand beim Pokern immer gleichzeitig im Bild haben. So entgingen dem Zuschauer keine der witzigen Reaktionen der Männer, hoffend, dass ihre Frauen wissen, dass sie ruhig noch höher pokern können, oder verzweifelt darüber, was ihnen gerade zugemutet wird, was sie aber niemals schaffen können.
Da Mein Mann kann mit überraschend guten Quoten startete, hoffe ich, dass die Show den Sommer erfolgreich übersteht und für eine zweite Staffel doch eine kleine Runderneuerung verpasst bekommt. Einschalten lohnt sich jedenfalls, auch wenn man über die ein oder andere Schwäche im Spielkonzept hinwegsehen muss.

Meine TV- und Statistik-Kolumne bei Quotenmeter.de
ich fänd es ja interessanter, wenn sich die Rolle von Frau und Mann jede Woche umdreht.. so .. ist die ganze Show doch etwas arg sexistisch und die dummen Weiber gingen mir meist auf den Zeiger (ach du schaffst das schon, ich hab dich lieb XD) ..
Seien wir doch ehrlich: In umgekehrten Rollen würde eine katastrophale Fehleinschätzung auf die nächste folgen