Solitary und Balls: Next Level Entertainment?

AlphaOrange, 18. Juli 2010

Der gestrige Abend stand bei ProSieben unter dem Motto “Next Level Entertainment”. Worin sich das äußerte? In erster Linie darin, das Telefonspiel für die Werbepausen nicht nur auf eine Sendung zu beschränken, sondern es auf den ganzen Abend strecken zu können. Und zwei neue Spielshows sowie eine neue Staffel einer bekannten Show gab es auch noch – werfen wir einen Blick drauf:

Solitary – Besiege dich selbst

Aus den USA importiert wurde die “härteste Realityshow der Welt” auf doppelte Sendezeit gestreckt, in der Hälfte der Drehtage produziert und mit einer Gruppe C-Prominenz von Martin Kesici bis Funda Vanroy besetzt. Klingt furchtbar, war es aber nicht. Da die Show nichts von ihrer Härte eingebüßt hat (ich sah am gleichen Abend die Auftaktfolge von Solitary v4.0 und fand sie harmloser) halten die Promis ihre Selbstinszenierung nicht einmal einen Tag durch. Das Szenario ist spannend, mitreißend und dramatisch: neun Kandidaten leben zehn Tage lang völlig isoliert in kleinen spartanischen Wohnkammern und werden physisch wie psychisch belastenden Spielen ausgesetzt. Nur alles, was ProSieben dazuerfunden ist, erwies sich als überflüssig: Sonya Kraus nervt als Moderatorin oder vielmehr Ansagerin, die Vorstellung und das gemeinsame Kennenlernen der Kandidaten, die sich im Spiel sowieso nicht sehen, zieht sich über die halbe Sendung. Kann nicht mal jemand den deutschen Trend umkehren, ständig alles auf zwei Stunden aufzublasen?

Meine ausführliche Rezension der Auftaktsendung findet ihr hier auf Quotenmeter.de.

Next Level Entertainment Faktor: positiv.

Elton versus Simon – Die Show (2. Staffel)

Die Show ist ja bereits aus dem letzten Sommer bekannt und am größten konzeptionellen Schwachpunkt hat sich nichts geändert: Man weiß schon lange vorab, wer am Ende gewinnen wird. Gestern brauchte man dafür nicht mal den Blick auf die Uhr, ein intuitives Zeitgefühl und das Zählen der Werbeblöcke reichte völlig aus. Dafür wartete die Sendung mit zwei echten Highlights ihrer Geschichte auf: Das erste Spiel, in dem die beiden Kontrahenten sich gegenseitig auf mehrere Meter gedehnte Gummibänder ins Gesichts flitschen war so herrlich spackig, das es einfach eine Freude war. Bedauerlich: die albernen Minispiele bei Gleichstand sind auch immer noch da. Das absolute Highlight aber: Beim dritten Spiel, bei dem es Bodenbeläge blind mit Mund und Zunge zu erkennen gilt, verwechselt Simon Eltons Hinterkopf mit dem Fußboden und leckt stattdessen an diesem rum, was Elton offenbar nicht besonders zu beeindrucken schien. Erst als Simon das in Runde zwei erneut widerfährt und er darauf hingewiesen wird, da nun wohl alle kapieren, dass es nicht bloß Simon-typisches Herumalbern war, wird ihm das bewusst. Und der arme Simon ist den Rest des Spiels völlig von der Rolle. Der holzhammerhumoristische Höhepunkt nicht bloß der Show sondern der kompletten Historie von Elton versus Simon.

Next Level Entertainment Faktor: neutral.

League of Balls

Den ganzen Abend über exzessiv beworben konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass ProSieben hier etwas ganz besonderes oder zumindest besonders aufwendiges versteckt hatte. Skeptisch machte nur die Tatsache, dass es auf dem 23:15-Sendeplatz lief, auf dem am Dienstag bereits das grottige Phreak versenkt wurde, von dem ich mir dachte, dass es wohl die peinliche Sommershow des Jahres bleiben dürfte. Nur wenige Tage später wurde ich eines besseren belehrt. Denn League of Balls ist einfach eine unfassbare Scheiße.

Manchmal sollte man einfach dem Motto “Weniger ist mehr” treu bleiben. Denn die Grundidee, Macho-Typen Mutproben durchführen zu lassen, wie eine wildfremde Mutter im Beisein ihres Sohnes anzubaggern, im Borat-Outfit einen Auftritt mit Cheerleadern zu absolvieren oder im Restaurant den Gästen das Essen vom Teller zu klauen, ist zwar alles andere als innovativ, aber zumindest phasenweise auf niedrigem Niveau recht lustig und teils erstaunlich, was sich manch einer der Typen tatsächlich zu tun traut. Was ProSieben um diese Filmchen herum konstruierte spottet hingegen jeder Beschreibung. Schon das Studio ließ in spontanes Gelächter ausbrechen. Zwei aufgeklebte Backsteinwände und rote und blaue Strahler, die einem regelrecht in den Augen schmerzten. Eine dermaßen billige Kulisse habe ich lange nicht mehr gesehen. Nach jedem Einspieler musste per SMS abgestimmt werden ob “In” oder “Out”, also ob der Kandidat eine Runde weiter kommen soll. Die pure Abzocke: Selbst beim Kandidaten, der seine Aufgabe verweigerte, mussten die Zuschauer kostenpflichtig über das Weiterkommen entscheiden. Und wozu das Ganze? Um den Jungs am Ende des Abends den Zutritt in den “Club” zu bescheren: einer ebenso billigen Club-Kulisse, in der einige gut aussehende Praktikantinnen herumtanzten. So ein kompletter Bullshit. Dass die Jungs sich alle komplett lächerlich machen, um “mit den Girls abzudancen” statt einfach mal in einen vernünftigen Club zu gehen, war total unverständlich. Dazu musste man schon gehirnamputiert sein. Und als ob all das noch nicht lächerlich genug war, bekam der Sieger des Abends auch noch eine Kamerabrille aufgesetzt bevor in den “Club” ging, damit man sehen konnte, wohin er als erstes guckt – was nicht gerade spektakulär war.

Eigentlich ist League of Balls aber der gelungene Racheakt für das Sommermädchen 2009. Damals, ebenfalls moderiert von Charlotte Engelhardt, deren Show-Auswahl mittlerweile mehr als zweifelhaft ist, wurde das weibliche Geschlecht in einer grottigen Show vor aller Welt blamiert, zur Schau gestellt und auf dümmste Klischees reduziert. Jetzt sind die Jungs an der Reihe jedes Klischee zu bestätigen. Bravo ProSieben, ausgerechnet das haben wir gebraucht. Glück im Unglück: Wenn niemand auf die Idee kommt, das auch noch mit Zwitterwesen oder Transsexuellen durchzuziehen (wäre ProSieben aber zuzutrauen), werden wir nächstes Jahr von einer Neuauflage verschont.

Next Level Entertainment Faktor: doppelt negativ.

3 Kommentare

  1. “Solitary” hab ich teilweise gesehen, mit Normalos wäre das Format sichtlich interessanter. Die deutsche Umsetzung mit Sonya Kraus zu besetzen ist ein Witz, ich mag die Frau nicht.

    “Elton vs. Simon” war schon im ersten Spiel sau lustig, als Simon dann auch noch Eltons Haare abschleckte, konnt ich mich fast nicht mehr auf dem Stuhl halten :D Elton hab ich mal backstage getroffen, sehr netter Kerl – vor allem: Auf dem Boden geblieben und sehr zugänglich :)

    “League of Balls”: Ich passe :D

    PS.: Ich vermisse hier Smileys :(

  2. Hm, hier gibt’s doch Smileys… Meinte eine Art Auswahl unter dem Kommentar-Formular :)

  3. Thema Smileys ist bekannt, aber auf die lange Bank geschoben.

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