Am vergangenen Samstag startete Solitary auf ProSieben erstmals im deutschen Fernsehen. Zum Auftakt der “härtesten Reality-Show der Welt” schrieb ich auf Quotenmeter.de unter anderem
Die Kandidaten gehen bis an die Schmerzgrenze [...]
und
[...] die Spiele selbst haben zumindest in der Auftaktepisode die Härte bewahrt, die man erwartet und erhofft hat und sicherlich auch zumindest in kleinen Kreisen zu kontroversen Diskussionen anregen wird.
Und das immerhin bei einer Adaption, die gegenüber dem Original entschärft sein sollte, um dem deutschen Publikum, das bei allzu kontroverser Reality schnell aufschreit, sowie den prominenten Kandidaten, deren unbedingter Siegeswille durchaus in Frage gestellt werden darf, gerecht zu werden. Stellt sich doch die Frage: Wenn die Softie-Version schon mit folterähnlichem Schlafentzug bis zur totalen Erschöpfung aufwartet, was geht dann in der US-Version ab?
Ich habe die vierte (und aufgrund der Abschaltung des Senders wahrscheinlich letzte) Staffel Solitary v4.0 in den letzten Tagen gesehen und kann sagen: Das meiste davon ist auch in der deutschen Version problemlos denkbar. Den Essenspielen mit ekligen Mischgetränken oder Unmengen Bananen steht das RTL-Dschungelcamp eigentlich in Nichts nach (bzw. ist eigentlich noch schlimmer). Aber man erkennt recht deutlich, was gestrichen werden musste, weil es klar Grenzen überschreitet, die in Deutschland unangreifbar scheinen. Und vielleicht ist das auch ganz gut so. Zwei der krassesten Beispiele – pikanterweise aus derselben Episode (4×02):
Russian Roulette
Dies war einer der sogenannten “Tests”, bei denen ein Gewinner ermitteln wird, der beim anschließenden “Treatment” aussetzen darf, der die Kandidaten an ihre Grenzen treibt. Tests sind verhältnismäßig harmlos, dieser hier im Besonderen, der für die Kandidaten mehr Spaß als Verausgabung bedeutete, aber hierzulande wohl trotzdem der größte Tabubruch überhaupt wäre. Oder kann sich jemand vorstellen, dass sowas im deutschen Fernsehen durchginge ohne – und meiner Meinung nach zu Recht – vom Jugendschutz heftig ins Visier genommen zu werden:

Eine kurze Beschreibung worum es ging: Entsprechend dem Abschneiden in einer vorausgegangenen Aufgabe wurden den Kandidaten zwei bis sieben Wasserpistolen (in guter Nachahmung der echten Schusswaffen) gegeben. Alle bis auf eine gefüllt mit Wasser, eine dagegen mit Kunstblut. Die Kandidaten forderten dann gegenseitig Mitspieler auf, sich mit verbundenen Augen eine ihrer Pistolen auszusuchen, sich an die Schläfe zu halten und abzudrücken – wer vom Kunstblut erwischt wurde, schied aus dem Spiel aus. Ich will nicht wissen, was hierzulande los wäre, wenn das jemand bringen würde. Vermutlich wäre die Sendung eine Woche später nicht mehr auf Sendung und aus sämtlichen Archiven verbannt.
Slap Unhappy
Das zweite Beispiel ist das darauffolgende Treatment, das im Wesentlichen aus einem bestand: Selbstzüchtigung. Mit verschiedenen Hilfsmitteln war es die Aufgabe der Kandidaten, sich Runde für Runde Schläge auf bestimmte Körperpartien zu verpassen:

Und das so stark, dass ein im Raum angebrachtes Lautstärkemesser jeweils in den roten Bereich ausschlug. Als kleines eher psychologisch angelegtes Experiment und von kurzer Dauer sicher noch denkbar, ist die US-Variante des Spiels in Deutschland kaum vorstellbar: Kaum ein Kandidat hatte während des fortschreitenden Spiels keine sichtbaren Hautrötungen, -risse oder sonstige Verletzungen aufzuweisen. Die Kandidatin, die als erste aufgab, hatte zu diesem Zeitpunkt weit über 400 Schläge hinter sich gebracht. Da war auch das Zusehen kein Spaß mehr (ich habe bewusst ein Bild gewählt, dass das Gegenteil suggeriert ^^).
Es sollte mich wirklich über alle Maßen wundern, wenn wir auch nur das eine oder das andere in solcher Form zu sehen bekommen. Und ich denke, da kann man sich gewissermaßen auch glücklich schätzen. Glaubt mir: Sich eine Viertelstunde anzusehen, wie sich Kandidaten kräftige Schläge mit Baseballschlägern, Metalltabletts oder Holzpaddeln verpassen ist halb so lustig wie es sich anhört. Solitary v4.0 beweist in anderen Spielen, dass die psychische oder physische Schmerzgrenze auch mit weniger fragwürdigen Mitteln zu erreichen ist. Diese Wege wird auch das deutsche Solitary gehen müssen, denn ohne das Ausreizen von persönlichen Grenzen funktioniert das Spielkonzept ja überhaupt nicht. Wenn die deutsche Fassung in den kommenden Wochen nicht funktionieren sollte, dann jedenfalls nicht, weil man zu den ganz extremen Sachen nicht bereit war. Daran hat man eher gut getan.

Meine TV- und Statistik-Kolumne bei Quotenmeter.de
Hammerhart! Interessanter Hintergrundbericht für den ich dir danken möchte. Vielleicht kannst du ja weitere Spiele in späteren Artikerln aufgreifen? Das Solitary so abging, wusste ich nicht.
Naja, die anderen Spiele sind halt etwas harmloser (nicht zu verwechseln mit harmlos). Kann ich vielleicht vergleichen, wenn die ProSieben-Staffel um ist, aber sonst lohnt es nicht.
OMG danke für die infos!!!
PAUSE NICHT!!!!!!!!!
In kasastan gibt es so etwas nicht!!!1
Von wo hast du das?????????
ahhjaaa ps NICHT!!!!!!!!!!!!!!!